Wie Höhenmeter berechnet werden
Die Regel ist einfacher, als die Zahlen vermuten lassen: alle Anstiege zusammenzählen, Abstiege ignorieren. Gehst du 200 m hoch, 150 m runter und noch einmal 300 m hoch, sind das 500 Höhenmeter im Aufstieg — nicht 350, und auch nicht 650.
Deshalb sagt die Zahl nichts über die Gipfelhöhe. Eine Wellenrunde im Mittelgebirge bringt leicht 800 Höhenmeter zusammen, ohne je über 700 m Meereshöhe zu kommen. Was Höhenmeter von der Höhe über dem Meer unterscheidet, steht ausführlicher im Guide zum Ablesen der Höhe.
Die Schwelle entscheidet über das Ergebnis
Jetzt kommt der Teil, den kaum eine App erklärt. Ein Höhensensor liefert keine glatte Linie, sondern eine leicht zappelnde. Zählt man jede Aufwärtsbewegung mit, summieren sich Sensorrauschen und Schritte zu Höhenmetern, die niemand gegangen ist. Also legt jede App eine Schwelle fest: erst ab so und so viel Anstieg wird gezählt.
Eine flache Feierabendrunde kann mit einer sehr niedrigen Schwelle plötzlich 300 Höhenmeter haben. Dieselbe Runde mit einer vernünftigen Schwelle hat 20. Beide Apps rechnen richtig — sie beantworten nur verschiedene Fragen.
Dazu kommt die Quelle der Höhe: barometrisch aufgezeichnet, aus GPS abgeleitet oder nachträglich aus einem Geländemodell ersetzt. Portale wie Strava rechnen beim Import gerne selbst nach, statt der hochgeladenen GPX-Datei zu glauben. Genau deshalb ist dieselbe Tour auf drei Plattformen dreimal verschieden lang — vertikal.
Praktische Folgerung: Höhenmeter sind nur innerhalb einer App vergleichbar. Deine Zahlen von letztem Jahr mit denen dieses Jahres zu vergleichen, ist sinnvoll. Deine Zahl mit der deines Begleiters zu vergleichen, der eine andere App nutzt, ist es nicht.
Höhenmeter messen: womit es geht
- Barometrisch — der Drucksensor im Telefon oder in der Uhr. Für Veränderung mit Abstand am genauesten, deshalb der richtige Weg für Höhenmeter. Wie das funktioniert und warum es driftet →
- Aus GPS — geht, taugt aber wenig: Satellitenhöhe ist senkrecht zwei- bis dreimal ungenauer als waagrecht, und über einen ganzen Tag summiert sich das Rauschen zu Phantom-Anstiegen.
- Aus der Karte — die Strecke über ein Geländemodell legen und die Höhen ablesen. Sauber für die Planung, blind für alles, was du tatsächlich getan hast.
Faustregeln, die tatsächlich helfen
Die bekannteste Zeitrechnung stammt vom Alpenverein und ist beim Planen erstaunlich belastbar:
300 Höhenmeter pro Stunde im Aufstieg, 500 im Abstieg, 4 km/h in der Waagrechten. Man rechnet beide Werte getrennt aus, nimmt den größeren ganz und den kleineren zur Hälfte dazu.
Beispiel: 900 Hm Aufstieg (3 h) und 8 km Strecke (2 h) ergeben 3 h + 1 h = vier Stunden — ohne Pausen.
Höhenmeter pro Kilometer ist die zweite nützliche Größe, weil sie die Steilheit beschreibt: unter 50 Hm/km fühlt sich eine Strecke flach an, um 100 Hm/km ist ein normaler Bergweg, über 200 Hm/km wird es steil genug, dass die Waagrechte in der Zeitrechnung kaum noch eine Rolle spielt.
Wie viele Höhenmeter sind viel?
Das hängt an Kondition, Rucksack, Hitze und Gelände, aber als Orientierung — und ausdrücklich nur als solche:
- Ungeübt: 300 bis 500 Höhenmeter an einem Tag sind ein vernünftiger Anfang. Der Abstieg fordert die Knie oft mehr als der Aufstieg die Lunge.
- Regelmäßig unterwegs: 800 bis 1.200 Höhenmeter sind eine normale Tagestour.
- Gut trainiert: 1.500 Höhenmeter und mehr, wobei ab da eher der Zeitplan das Limit setzt als die Beine.
Steigere die Zahl über Wochen und nicht über Wochenenden. Wer von 400 auf 1.200 springt, lernt vor allem seine Knie kennen.
Höhenmeter trainieren ohne Berge
Im Flachland fehlt nicht die Ausdauer, sondern die spezifische Belastung — und die lässt sich erstaunlich gut nachbauen:
- Treppen. Eine Stufe misst etwa 17 cm, also sind rund sechs Stufen ein Höhenmeter. Ein sechsstöckiges Haus sind etwa 18 Hm — zehn Durchgänge sind 180.
- Laufband oder Ergometer mit Steigung. 10 % Steigung bei 5 km/h sind 500 Höhenmeter in der Stunde. Näher an eine Bergstunde kommt man drinnen kaum.
- Deiche, Halden, Parkhäuser, Brücken. Unelegant, aber es zählt: 40 Höhenmeter, zwanzigmal gegangen, sind 800.
- Bergab üben. Der am häufigsten übersehene Teil. Absteigen belastet anders, und im Flachland trainiert es fast niemand.
Und wenn du erst einmal wissen willst, wie hoch dein Ausgangspunkt liegt:
Meine Höhe anzeigenWie VERT zählt
VERT nimmt die Höhe vom Barometer, trennt Aufstieg und Abstieg sauber und lässt Lifte und Seilbahnen draußen — eine Gondel ist kein Aufstieg, auch wenn der Sensor brav mitsteigt. Der Tag wird laufend auf das Gerät geschrieben, nicht erst beim Stoppen, und jede Zahl trägt das ±, das das System tatsächlich meldet.